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AiCuris eröffnet für seine internationale pivotale Phase-3-Studie mit Pritelivir zur Behandlung von Herpes-simplex-Virus-Infektionen bei immungeschwächten Patienten erste Studienzentren in Deutschland

  • Bei den neu eröffneten Studienzentren handelt es sich um das Klinikum Neuperlach in München und die III. Medizinische Klinik an der UMM Mannheim
  • Pritelivir zeigte im Vergleich zur Standardtherapie Foscarnet im Phase-2-Teil der Studie einen klinisch relevanten Unterschied in der Wirksamkeit und bestätigte das gute Sicherheitsprofil aus früheren Phase-2-Studien
  • Der pivotale Phase-3-Teil bildet die Grundlage für die Einreichung eines Zulassungsantrages

WUPPERTAL, Deutschland, 14. Juni 2022 – AiCuris Anti-infective Cures AG, ein führendes Unternehmen in der Erforschung und Entwicklung von Arzneimitteln gegen Infektionskrankheiten, gab heute für seine laufende internationale klinische Phase-2/3-Studie, PRIOH-1, die Eröffnung der ersten Studienzentren in Deutschland bekannt. Immungeschwächte Patienten mit Aciclovir-resistenten Herpes-simplex-Virus-(HSV)-Infektionen können ab sofort an einer der renommierten medizinischen Zentren, München Klinikum Neuperlach oder III. Medizinische Klinik der Universitätsmedizin Mannheim (UMM) für den zulassungsrelevanten Phase-3-Teil der Studie mit dem von AiCuris entwickelten Wirkstoffkandidaten Pritelivir (AIC316), einem neuartigen Helikase-Primase-Inhibitor, eingeschlossen werden. Die Studie soll die Wirksamkeit und Sicherheit von oralem Pritelivir im Vergleich zur intravenös verabreichten Standardtherapie mit Foscarnet bewerten.

„Wir sind sehr froh, dass wir die Möglichkeit haben, diesen vielversprechenden Wirkstoff hier an unserem Klinikum in München an Patienten zu testen, für die es bisher nur sehr limitierte oder keine Behandlungsoptionen gibt,“ sagte Prof. Dr. med. Meinolf Karthaus, Chefarzt an der Klinik für Hämatologie und Onkologie an der München Klinik Neuperlach und Leiter der klinischen Prüfung in Deutschland. „Zurzeit verfügbare Therapien zur Behandlung von Aciclovir-resistenten Herpes-simplex-Virus-(HSV)-Infektionen können vor allem bei immungeschwächten Patienten zu schweren Nebenwirkungen bis hin zum Nierenversagen führen. Pritelivir hat mit seinem neuartigen Wirkmechanismus das Potenzial, eine gut verträgliche, wirksame und anwenderfreundliche orale Behandlungsoption zu werden, die wirklich einen Unterschied machen könnte.“

„Wir sind begeistert mit dem München Klinikum Neuperlach und der III. Medizinischen Klinik der UMM zwei so renommierte Studienzentren für die weitere klinische Entwicklung unseres Wirkstoffes Pritelivir in Deutschland gewonnen zu haben,“ sagte Dr. Holger Zimmermann, CEO der AiCuris Anti-infective Cures AG. „Damit bieten wir nun auch in unserem Heimatland Deutschland immungeschwächten Patienten mit resistenten HSV-Infektionen, für die es kaum wirksame und gut verträgliche Therapieoptionen gibt, die Möglichkeit, an der zulassungsrelevanten Studie teilzunehmen und möglicherweise von der neuen Behandlungsoption zu profitieren.“

Phase-2- Teil der PRIOH-1-Studie mit klinisch relevantem Unterschied in der Wirksamkeit und gutem Sicherheitsprofil abgeschlossen

Der Phase-2-Abschnitt der PRIOH-1-Studie zeigte sehr vielversprechende Ergebnisse in Bezug auf die Heilung von Hautläsionen innerhalb von 28 Tagen nach der Behandlung mit Pritelivir. Es konnte dabei ein klinisch relevanter Unterschied zu den mit Foscarnet behandelten Patienten beobachtet werden. Die Wirksamkeit zeigte sich auch bei Patienten, die zusätzlich eine Resistenz oder Unverträglichkeit gegenüber Foscarnet aufwiesen und denen damit nur sehr eingeschränkte Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung standen. Pritelivir erwies sich als sicher und gut verträglich. Bei keinem der Patienten wurde die Behandlung mit Pritelivir aufgrund von Nebenwirkungen während der Studie vorzeitig abgebrochen.


Der laufende Phase-3-Teil der Studie bildet die Grundlage für die Einreichung eines Zulassungsantrages

Auf Basis der guten Ergebnisse, die in der Phase 2 erzielt wurden, hat AiCuris das Studienprotokoll angepasst und direkt einen pivotalen Phase-3-Abschnitt gestartet, der die Grundlage für die Einreichung eines Zulassungsantrages bilden wird.

Der randomisierte, offene, multizentrische Phase-3-Teil der Studie, der weltweit an insgesamt 128 Patienten an bis zu 70 Zentren in den USA, Kanada, Lateinamerika, Europa, Israel, Australien und China durchgeführt werden soll, bewertet die Wirksamkeit und Sicherheit von oralem Pritelivir im Vergleich zur intravenös verabreichten Standardtherapie mit Foscarnet. Der primäre Endpunkt der Studie ist das Erreichen einer klinischen Heilung, die durch die Anzahl an Patienten definiert wird, bei denen alle Herpesläsionen innerhalb von 28 Tagen Behandlung abgeheilt sind.


Das PRIOH-1-Studiendesign berücksichtigt auch einen Ultima-Ratio-Ansatz für immungeschwächte Patienten, für die es keine weiteren zugelassenen Therapieoptionen gibt

Immungeschwächte Patienten mit entweder Aciclovir-resistenten (ACV-R) mukokutanen HSV-Infektionen, werden 1:1 randomisiert und erhalten über einen Zeitraum von 28 Tagen oder bis alle Läsionen abgeheilt sind entweder einmal täglich oral Pritelivir oder 2-3 x täglich intravenös Foscarnet verabreicht. Foscarnet ist ein Virostatikum, das hauptsächlich zur Behandlung von Herpes-virus-Infektionen angewendet wird, die gegen andere antivirale Medikamente resistent sind.

Darüber hinaus sollen in einem sogenannten Ultima-Ratio-Ansatz immungeschwächte Patienten mit Aciclovir-resistenten mukokutanen HSV-Infektionen, die im Aufnahmescreening zusätzlich eine Resistenz oder Unverträglichkeit gegenüber Foscarnet aufweisen, über einen Zeitraum von bis zu 28 Tagen mit Pritelivir behandelt werden.

Für alle Patientengruppen ist eine Verlängerung der Behandlungszeit auf maximal 42 Tage möglich.

Über Pritelivir

Pritelivir ist ein innovativer, hochwirksamer und spezifischer Inhibitor des Herpes-simplex-Virus (HSV). Als Wirkstoff einer neuen chemischen Klasse (Thiazolylamide) ist Pritelivir aktiv gegen beide Typen von Herpes-simplex-Viren (HSV-1 und HSV-2), die Genital- oder Lippenherpes auslösen. Pritelivir ist auch wirksam gegen Viren, die gegen die handelsüblichen Medikamente resistent geworden sind. Pritelivir entfaltet seine Wirksamkeit über einen neuartigen Mechanismus, der sich von anderen antiviralen Wirkstoffen, die zurzeit für die Behandlung von HSV-Infektionen angewendet werden (das Nukleosid-Analogon Aciclovir und dessen Prodrug Valaciclovir sowie Famciclovir, das Prodrug von Penciclovir), unterscheidet. Während Nukleosid-Analoga die fortlaufende Verlängerung des DNA-Strangs durch die Inaktivierung der viralen DNA-Polymerase stoppen, verhindert Pritelivir durch die Blockierung des Helikase-Primase-Komplexes die de-novo-Synthese viraler DNA. Darüber hinaus muss Pritelivir nicht erst in HSV-infizierten Zellen durch die virale Thymidinkinase aktiviert werden und schützt damit auch nicht-infizierte Zellen. Aufgrund seiner vielversprechenden Wirksamkeit und seiner günstigen pharmakologischen Eigenschaften hat Pritelivir das Potenzial, Patienten mit schweren und resistenten mukokutanen HSV-Infektionen eine neue Perspektive zu eröffnen.

Die Bewertung der Wirksamkeit und Sicherheit von oral verabreichtem Pritelivir gegenüber intravenösem Foscarnet basierte auf früheren Studien an Patienten mit genitalen HSV-2-Infektionen, in denen sich Pritelivir gegenüber der Standardbehandlung mit Valaciclovir überlegen zeigte.

Im Juni 2020 erhielt AiCuris für Pritelivir von der US-amerikanischen Zulassungsbehörde (Food and Drug Administration, FDA) den Status "Breakthrough Therapy" für die Behandlung von mukokutanen Herpes-simplex-Virus-(HSV)-Infektionen bei immungeschwächten Patienten. Im Dezember 2020 genehmigte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) den Start eines Härtefallprogramms („Compassionate Use Program“, CUP) für Pritelivir in Deutschland. Das CUP ist Teil eines Early-Access-Programms (EAP) in verschiedenen Ländern der Welt. Basierend auf Ergebnissen der letzten US-amerikanischen klinischen Phase-2-Studie hat AiCuris eine pivotale Phase-3-Studie gestartet, die die Basis für die Einreichung eines Zulassungsantrags bilden wird.


Über HSV

Herpes-simplex-Viren (HSV) sind, mit einer Seroprävalenz von bis zu 100%, je nach geographischer Region und Bevölkerungsgruppe, weit verbreitet. Es werden zwei Herpes-simplex-Virustypen unterschieden: Typ 1 (HSV-1) und Typ 2 (HSV-2). Infektionen führen zu einer lebenslangen Persistenz des Virus mit wiederkehrenden und zum Teil schmerzhaften Ausbrüchen. Während HSV-1 vor allem Läsionen im Mundbereich (Lippenbläschen) verursacht, manifestiert sich HSV-2 in der Genitalregion und wird meist sexuell übertragen. Bei immungeschwächten Patienten kann eine HSV-Infektion zu ernsten Komplikationen führen, aber selbst bei sonst gesunden Menschen können das negative Stigma von Genitalherpes und die sichtbaren Läsionen im Gesicht zu psychischen Belastungen führen.

Laut einer Veröffentlichung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Jahr 2020 leben weltweit schätzungsweise 491 Millionen Menschen im Alter von 15-49 Jahren oder 13% der Bevölkerung mit Genitalherpes, hervorgerufen durch eine HSV-2-Infektion. Die geschätzte Verbreitung der HSV-2-Infektion war am höchsten in Afrika (44% der Frauen und 25% der Männer), gefolgt von Amerika (24% der Frauen und 12% der Männer). Es konnte auch gezeigt werden, dass sie mit dem Alter zunimmt, obwohl die höchste Anzahl der Neuinfizierten unter den Jugendlichen zu finden waren. Während Resistenzen bei immunkompetenten Personen kein Problem darstellen, kann eine Infektion mit einem Aciclovir-resistenten HSV bei immungeschwächten Patienten, wo es zu häufigen Reaktivierungsepisoden, anhaltenden Symptomen, erhöhtem Infektionsschweregrad, ausgedehnten und atypischen Läsionen und dem Risiko einer Verbreitung führt, kritisch werden.


Über AiCuris Anti-infective Cures AG

AiCuris wurde 2006 als Spin-Off der Bayer AG gegründet und konzentriert sich auf die Erforschung und Entwicklung von Wirkstoffen gegen Infektionskrankheiten. Hauptinvestoren des Unternehmens sind die Dres. Strüngmann. Mit PREVYMIS™ (Letermovir) wurde ein “First-in-Class“ nicht-nukleosidischer Cytomegalovirus (CMV)-Inhibitor entwickelt, der seine Wirkung über einen neuartigen Wirkmechanismus entfaltet. Er wurde im Jahre 2012 an MSD auslizensiert und hat in der EU, den USA, Japan und in anderen Teilen der Welt die Marktzulassung zur Prävention von CMV-Infektionen bei erwachsenen Empfängern einer allogenen hämatopoetischen Stammzelltransplantation (HSCT) erhalten. Das Unternehmen entwickelt weitere Medikamente gegen Viren wie das Herpes-simplex-Virus (HSV), das Hepatitis-B-Virus (HBV), Adenoviren sowie gegen SARS-CoV-2 und andere Viren mit pandemischem Potenzial. Im Bereich antibakterieller Wirkstoffe konzentriert AiCuris sich auf die Erforschung innovativer Behandlungsmöglichkeiten für Indikationen mit hohem medizinischem Bedarf, wie lebensbedrohliche (multi?) resistente Krankenhauserreger.

Im November 2018 wurden Dr. Holger Zimmermann und Prof. Dr. Helga Rübsamen-Schaeff (Gründungs-CEO von AiCuris) für die Entwicklung von Letermovir und ihr Projekt „Schutz bei fehlendem Immunsystem - die lebensrettende Innovation gegen gefährliche Viren" mit dem Deutschen Zukunftspreis 2018 ausgezeichnet.

Weitere Informationen zum Unternehmen finden Sie unter www.aicuris.com

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Company
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Katja Woestenhemke
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